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Im Alter von 72 Jahren erlag Oberstudienrat i. R. Joachim (Jochen) Wolf in Freudenstadt einem Herzversagen. Er bleibt in Erinnerung als aktiver, motivierender und begeisterungsfähiger Lehrer am Baiersbronner Gymnasium, als ideenreicher Theaterschaffender und kreatives Herz des Kleinkunstveranstalters „Kultur am Dobel“.

Noch im Krankenhaus arbeitete Joachim Wolf am neuen Theaterstück, das er mit der „Neuen Studiobühne“ in Baiersbronn aufführen wollte.

Theater, Kunst und Kultur, Musik, modernes Tanztheater – das sind Themen, die Joachim Wolfs Leben weitgehend bestimmten. Geboren in Schlesien verschlug es im Krieg die Familie nach Vechta im Oldenburger Münsterland. Wolf studierte Geographie und Germanistik und kam als junger Lehrer an die Richard-von-Weizäcker-Schule in Baiersbronn, wo er 40 Jahre lang bis über das Pensionsalter hinaus, als Gymnsiallehrer Deutsch, Geographie und Kunst unterrichten sollte. Viele Neuerungen im schulischen Leben waren von seiner Handschrift geprägt: Die Einführung der Schülermitverantwortung, Landschulaufenthalte auf der Nordseeinsel Wangerooge, etliche Theaterfahrten und die Gründung einer Theater-AG an der Schule.

Der immer aktive Vollblutpädagoge zeigte sich aufgeschlossen allem Neuen gegenüber, aktivierte seine Schüler, wusste sie für Aktionen auch außerhalb des Schulalltags zu begeistern.

Aus eigenen Schülerzeiten theaterverliebt, forderte und förderte Wolf unzählige Schülerinnen und Schüler in der Schultheater AG, die wiederholt ausgezeichnet wurde. Nach der Hochzeit mit Marianne Götze zog das Paar nach Freudenstadt, wo Wolf 1991 die Studiobühne gründete und als phantasievoller Regisseur mit Laienspielern ein hohes Niveau bei zahlreichen Aufführungen erreichte.

Auf Anregung seines Baiersbronner Kollegen Johannes Smeets gab es 2001 die erste Open-Air-Vorstellung in Baiersbronn mit der Neuen Studiobühne. Dieser folgten zahlreiche weitere Stücke an verschiedenen Spielorten, bis die Bühne im Hof der Klosterreichenbacher Münsterkirche eine neue Heimat fand.

Wolf, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Marianne, wusste „seine“ Schauspieler zu motivieren und zu formen, bereitete auch klassische Theaterstücke mit viel Theaterwissen für seine Truppe auf. Er selbst stand nur einmal auf den Bühnenbrettern, als er für einen erkrankten Schauspieler einspringen musste. Die Studiobühne wurde 2008 mit dem Preis des Landes ausgezeichnet. Das Ehepaar Wolf gehörte zu den Gründern, als vor 17 Jahren der Kleinkunstverein „Kultur am Dobel“ aus der Taufe gehoben wurde. Wolf war Herz und Motor des kleinen Vereins, dessen Leitung er vor sechs Jahren übernahm. Er stellte Programme zusammen, kümmerte sich um die Organisation. Den „Fontänenzauber“ auf dem Marktplatz setzte Wolf viele Jahre in Szene.

Mit Joachim Wolf verbinden sich die Erinnerung an einen aktiven, vielseitig interessierten Mann, aufgeschlossen, hilfsbereit, humorvoll, neugierig auf alles Neue. Das Ehepaar Wolf hat alle Kontinente des Erdballs bereist, hat Theateraufführungen hoch im Norden und tief im Süden erlebt und die Erfahrungen daraus in der Heimat eingebracht.

Für sein ehrenamtliches Engagement wurde Wolf 2013 mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Lücke, die er im kulturellen Leben in Freudenstadt und Baiersbronn hinterlässt, ist groß. Die Trauerfeier für Joachim Wolf findet am Samstag, 25. Januar, um 11 Uhr in der Münsterkirche in Baiersbronn-Klosterreichenbach statt.

von Hannes Kuhnert

Jochen Wolf - vorne im Bild - und sein KaD-Team
Jochen Wolf - vorne im Bild - und sein KaD-Team






Kultur am Dobel | Marktplatz 65, 72250 Freudenstadt | Tel: 07441 - 5 21 27 | info(at)kulturamdobel.de

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